Ottensoos

Ottensoos im Landkreis Lauf

Die Zeiten, in denen ein Ort mit einer Unterschrift auf einer Urkunde einfach verschenkt werden kann, sind zum Glück vorbei. Wäre aber eben diese Schenkung im Jahr 903 nicht gewesen, hätte Ottensoos auf seine erste urkundliche Erwähnung noch lange warten können. So aber setzte König Ludwig IV, auch „Ludwig, das Kind“ genannt, seine Unterschrift unter die Schenkungsurkunde und damit gehörte Ottensoos dem Regensburger Kloster Emmeram. Ob man sich dort über das großzügige Geschenk gefreut hat, ist nicht überliefert, wohl aber, dass König Ludwig IV. im Kloster Emmeram bestattet wurde, als er acht Jahre später mit nur 18 Jahren starb.

Ottensoos hat sich seitdem nicht mehr so einfach verschenken lassen. Wohl geriet der Ort während der folgenden Jahrhunderte immer wieder in den Strudel kriegerischer Ereignisse, aber letztlich bekam Ottensoos seine Selbstständigkeit zurück, woran auch die Gebietsreform nichts ändern konnte. Ottensoos ist eine eigenständige Gemeinde im Landkreis Lauf.

In Ottensoos ist die Welt noch in Ordnung

In Ottensoos – da möchte ich nicht einmal tot über dem Gartenaun hängen! Das kabarettistische Lästermaul, aus dem dieser respektlose Spruch einst kam, war vermutlich noch nie in dem liebenswerten fränkischen Ort gewesen. Sonst hätte man ganz andere Töne über die 2.000 Seelen Gemeinde hören können, die durch ihre Lage in der Nähe von Lauf zur Metropolregion Nürnberg gehört.

Dank einer gesunden Infrastruktur gestaltet sich das Leben in Ottensoos sogar ziemlich lebendig. Dazu tragen Kindergarten und Schule bei, sowie ein abwechslungsreiches Vereinsleben. Den täglichen Bedarf kann man beim Bäcker und Metzger nebenan und im Lebensmittelgeschäft decken. Arbeitsplätze gibt es im Industriegebiet und im nur 4 Kilometer entfernten Lauf gibt es dann alle weiteren Einrichtungen des öffentlichen Lebens, inklusive einer Autobahnanschlussstelle hinaus in die weite Welt. Dorthin gelangt man auch mit dem Zug und in diesen kann man am Bahnhof Ottensoos einsteigen. Die verkehrsgünstige Lage kommt dem Einwohnern des Ortes auch dann zugute, wenn sie einen Ausflug zu einem der sehenswerten Ziele rund um Ottensoos unternehmen wollen. Im benachbarten Lauf gibt es einige davon, so zum Beispiel das interessante Industriemuseum. In Hersbruck gibt es das weithin bekannte Hirtenmuseum zu erkunden und in Schnaittach lockt das Jüdische Museum Franken viele interessierte Besucher an. Wer sich für Wildgehege und Naturparks interessiert, besucht das Fränkische Wunderland Plech, das Wildgehege Hufeisen in Velden oder den Nürnberger Tiergarten.

Religiöse Einflüsse

Ottensoos hat mit der Kirche St. Veit eine Sehenswürdigkeit zu bieten, die gleichzeitig den Mittelpunkt des kleinen Ortes darstellt. Sie wurde bereits im 11. Jahrhundert, den damals katholisch Gläubigen geweiht, übergeben. Die Zeiten waren unruhig und so wundert es nicht, dass die baulichen Erweiterungen St. Veit in den folgenden Jahrhunderten zur Kirchenburg machten. Als die Gemeinde im Jahr 1525 durch die Reformation zum evangelischen Glauben wechselte, wurde diese Veränderung auch an der Kirche vollzogen. Seitdem ist St. Veit evangelisch. Für die Katholiken im Ort gibt es seit Mitte der Sechzigerjahre auch wieder eine Kirche, die dem Johannes dem Täufer geweiht ist.

Die Geschichte von Ottensoos war auch durch jüdischen Einfluss stark geprägt. Bis November 1938 waren mehr als 30 Prozent der Einwohner jüdischen Glaubens. Es gab eine Synagoge, eine jüdische Schule, eine Mikwe und ein Schächterhaus. All das gibt es noch, allerdings dienen die jeweiligen Gebäude heute nur noch Erinnerungszwecken. Allem Vergessen zum Trotz haben die damals vertriebenen Juden den Familiennamen Ottensooser in die weite Welt hinausgetragen.

Autor: Klaus Meininger

Bildergalerie: