Altdorf bei Nürnberg

Die ursprünglichste Bevölkerung der Region um Altdorf muss wohl eine Dinosaurierfamilie gewesen sein. Das lässt sich jedenfalls aus einem spektakulären Fossilienfund vor einigen Jahren folgern. Das Saurierbaby liegt nun im Museum und wenn es noch denken könnte, würde es sich bestimmt überlegen, was von seiner Geburt vor einigen Tausend Jahren bis zum Jahr 800 wohl alles passiert sein könnte.

Universitätsstadt Altdorf

Ein fränkischer Königshof war schon im Jahr 800 an der Stelle zu finden, an welcher heute eine lebendige kleine Stadt steht. Bis zur offiziellen Erhebung zur Stadt vergingen exakt 587 Jahre, im gleichen Jahr, nämlich 1387, erhielt Altdorf die hochoffizielle Erlaubnis, durch den Bau von Gräben und Mauern ihre neu ernannte Stadt zu schützen.

Im Jahr 1504 waren die Nürnberger allerdings stärker, schneller oder gewiefter und es gelang ihnen die Eroberung. Das war aber im Nachhinein betrachtet für die Altdorfer Bevölkerung nicht das Schlechteste. So wurden sie kurz darauf Einwohner einer Universitätsstadt, denn Nürnberg wählte Altdorf als Sitz eines Gymnasiums und erteilte im Jahr 1622 das sogenannte Universitätsprivileg. Einer der berühmtesten Studenten war der Philosoph Leibniz, der in Altdorf sogar promovierte. Aber fast noch beachtlicher ist die Tatsache, dass an der Universität Altdorf die folgenden 200 Jahre alle evangelischen Pfarrer für Bayern ihr Studium absolvierten. 1200, das ist die Zahl der in Altdorf ordinierten Geistlichen!

Im Jahr 1806 bewies das Sprichwort „Mitgefangen – Mitgehangen“ seine Richtigkeit, denn als Nürnberg an Bayern fiel, war Altdorf automatisch dabei. Das Universitätsprivileg brach schon drei Jahre danach weg und die Erteilung des Königlichen Schullehrerseminars erschien vermutlich schon damals einigen Altdorfern als schwacher Trost. Da hilft es auch nichts, dass Altdorf durch die Gebietsreform größer und bedeutender wurde. Die umliegenden Gemeinden wurden dem Altdorfer Gemeindegebiet zugesprochen und seitdem zählt Altdorf mehr als 16.000 Einwohner.

Wallensteinfestspiele in Altdorf

Wer an Koordinaten interessiert ist, wird wissen wollen, dass Altdorf 25 Kilometer östlich von Nürnberg und 18 Kilometer nordwestlich von Neumarkt liegt. Anders ausgedrückt liegt Altdorf bei Nürnberg, wie der korrekte Städtenamen schon sagt, in nur 30 S-Bahn-Fahrminuten Entfernung von Nürnbergs Innenstadt.

Zu den Wallenstein-Festspielen legen viele Nürnberger diese Strecke zurück, um an dem historischen Fest teilzunehmen. Es ist eine gelungene Kombination aus Theaterfestival und regem Marktleben. Fast alle Altdorfer spielen in den Tagen der Festspiele ihre Rolle so intensiv, dass sich die Besucher immer wieder in den Arm kneifen müssen, um sicher sein zu können, dass sie nicht aus Versehen in eine Zeitmaschine geraten sind. Altdorf sieht aus wie im 17. Jahrhundert, als Landsknechte, Reiter und Soldaten zusammen mit Schweden, Kosaken und Zigeunern in und um Altdorf lagerten. Mitten im Getümmel stand ein Feldlazarett, Bauern und Bürger bildeten ihre Interessengemeinschaften und nicht zuletzt waren es auch die Studenten, die dem Altdorfer Lagerleben damals den letzten Schliff gaben. Ganze vier Wochen dauert das Spektakel, das allerdings aus nachvollziehbaren Gründen nur sonntags stattfindet.

Rundgang durch Altdorf

Als Programm für die restliche Zeit empfiehlt sich ein Stadtrundgang, der einige Überraschungen bieten wird. So kann das ehemalige Universitätsgebäude Altdorfina in seiner beeindruckenden Unversehrtheit bewundert werden. Wenn im weiteren Verlauf plötzlich die Göttin der Weisheit aus der griechischen Mythologie grüßt, steht der Spaziergänger vor dem Pallas Athene Brunnen. Der Studentenbrunnen bringt dann wieder den Bezug zur Heimat, ebenso das Pflegeamtsschloss. Der Friedhof rund um die Magdalenenkapelle ist ebenfalls einen Besuch wert. Die Stadtkirche St. Laurentius darf natürlich bei keinem Stadtrundgang fehlen, der vielleicht am Wohnhaus von Wallenstein enden könnte. Dort wohnte er, als er noch kein Feldherr, sondern nur ein kleiner Student war. Allerdings verdienen auch andere historische Gebäude Beachtung, die zwar keine späteren Berühmtheiten beherbergt hatten, aber dafür heute das Stadtbild mit ihrem entzückenden Fachwerk bereichern.