Heilig-Geist-Spital

Das Heilig-Geist-Spital in Nürnberg

Malerisch erhebt sich das Heilig Geist Spital über den nördlichen Arm der Pegnitz. Zwei Rundbögen spannen sich über den Pfeiler, der das Gebäude in der Mitte stützt. Von der gegenüberliegenden Museumbrücke aus betrachtet, zeigt sich das Gebäude aus dem 14. Jahrhundert von seiner schönsten Seite. Der dreiachsige, nach oben spitz zulaufende Erker verleiht dem Spitalgebäude im Zusammenhang mit den schmalen Fenster und dem hochgezogenen Dach ein fast zierliches Aussehen. Es gehört wohl zu den meist fotografierten Sehenswürdigkeiten in Nürnberg und ziert darüber hinaus unzählige Ansichtskarten mit einem Gruß aus dem schönen Mittelfranken. Das hatte sich der Gründer des damaligen Spitals bestimmt nicht träumen lassen, dass seine großherzige Spende noch ca. 700 Jahre eine Rolle für Nürnberg spielen würde – wobei sie noch heute für die Stadt Nürnberg weit mehr bedeutet, als eine Touristenattraktion.

Altes Spital und Neues Spital

Als Vorläufer des heutigen Heilig-Geist-Spitals gilt das Elisabethspital, das schon vor dem 13. Jahrhundert von Ordensbrüdern des Deutschen Ordens als Armenanstalt gegründet und betrieben wurde. In erster Linie standen pflegebedürftige Ordensbrüder im Mittelpunkt der sozialen Fürsorge im Alten Spital, wie die Einrichtung rückblickend auch genannt wird. Nürnberger Bürger hatten jedoch auch Zutritt und konnten ebenfalls Zuwendung, Pflege und Fürsorge erfahren. Der Andrang wurde immer größer, was mit steigender Armut genauso zu tun hatte, wie mit dem Fehlen anderweitiger sozialer Einrichtungen. Im 14. Jahrhundert war das Elisabethspital endgültig zu klein geworden und so kam das großzügige Geschenk von Burggraf Friedrich IV im Jahr 1331 an den wohlhabenden Nürnberger Bürger Konrad Groß als Rettung in der Not gerade recht.

Seelgerät zum Wohle der Stadt

Zunächst dachte dieser aber wohl eher an sein eigenes Seelenheil, als er das Geschenk dazu verwendete, ein Spital in Nürnberg zu gründen und das Elisabethspital damit zu ergänzen. Er glaubte mit diesem Seelgerät, wie man damals derartiges Vorgehen nannte, einen „Schatz im Himmel“ anzulegen, um damit dereinst einen gewissen Ausgleich zu seinen irdischen Sünden vorweisen zu können. Ohne es zu wissen, wurde er zum Begründer des Vorläufers von Alten- und Pflegeheimen, wie sie in heutiger Form überall zu finden sind. Die Stiftung diente von Anfang an dem Wohle von Armen und Kranken. Als sich im Laufe der folgenden Jahrzehnte und Jahrhunderte noch mehr als 350 weitere Stifter mit großzügigen Gaben anschlossen, wurde das Spital zur umfangsreichsten und bedeutendsten Einrichtung für Pflege und Fürsorge von alten, kranken und sozial schwachen Menschen. Das Heilig-Geist-Spital prägte die Geschichte der Gesundheitsfürsorge der Stadt Nürnberg und in gewisser Weise ist dieser Einfluss heute noch spürbar und vor allem sichtbar: Das Heilig-Geist-Spital ist auch heute noch ein Altenheim. Die Einrichtung wird immer noch als Stiftung betrieben, die von der Stadt Nürnberg verwaltet wird.

Nürnberger Kleinod

Als ob das Spital nicht schon Kleinod genug gewesen wäre, wurde es in den Jahren 1424 bis 1796 zum Aufbewahrungsort der wertvollen Reichskleinodien gemacht. Der Reichsschatz wurde wohl eher versteckt als präsentiert, denn er war der Stolz des ganzen Reiches und Nürnberg hatte mit seiner Aufbewahrung eine große Verantwortung zu tragen.

Während der Endphase des Zweiten Weltkrieges wurde das ehrwürdige Gebäude zwar nicht vollständig zerstört, aber es musste schwere Beschädigungen hinnehmen. Mit dem Wiederaufbau konnte das Original nahezu vollständig rekonstruiert werden.

In den ehrwürdigen Räumlichkeiten ist ein renommiertes Lokal ansässig. Auf der Getränkekarte ist als spezielles Angebot der Heilig-Geist-Vortrunk zu finden. Damit erfüllt das Restaurant eine lange Tradition, nach der schon im 15. Jahrhundert den Bewohnern des Spitals täglich ein Schoppen Wein als Stärkung gereicht wurde. Dieser Trunk ging auf eine Stiftung zurück, die das Wohl der Spitalbewohner im Auge hatte. Heute müssen die Gäste den Vortrunk freilich bezahlen, aber angesichts der über 700jährigen Geschichte und deren nachhaltigen Auswirkung auf die Entwicklung der sozialen kommunalen Verantwortung, ist an dieser Stelle ein von Herzen kommendes „Wohl bekomm´s“ durchaus gerechtfertigt.

Autor: Daniela Plankl

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