Das Nürnberger Dokumentationszentrum

Das Dokumentationszentrum Nürnberg ist eines der vielen Museen der Stadt. Wie aus der vollständigen Bezeichnung dieses Museums hervorgeht, wird hier jedoch nicht den schönen Künsten oder bewundernswerten Errungenschaften der Altvorderen gefrönt. Das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg öffnet vielmehr auf beeindruckende und geleichzeitig bedrückende Art und Weise ein dunkles Kapitel Deutschlands.

Der Ort für dieses Museum in Nürnberg liegt in einem Areal, das von den Nationalsozialisten zur Zelebrierung diverser Massenveranstaltungen und Zusammenkünfte genutzt wurde, von denen die Reichsparteitage die größte Bedeutung beizumessen ist. Auf einer Fläche von mehr als vier Quadratkilometern finden sich auf dem Areal des Reichsparteitagsgeländes die Reste von opulenten, häufig nicht fertig gestellten, Bauwerken aus der Zeit des Nationalsozialismus. Das Dokumentationszentrum steht seit November 2001 als Informationsangebot über die Gräuel und den Größenwahn der damaligen Zeit zur Verfügung. Zu der Prominenz, die bei der Eröffnung des Dokumentationszentrums anwesend war, gehörte unter anderem der damalige Bundespräsident Johannes Rau.

Faszination und Gewalt

Das dominante Bauwerk auf dem ehemaligen Nürnberger Reichsparteitagsgelände ist die Kongresshalle, deren Torso in Form eines Hufeisens 40 Meter hoch aus der Fläche ragt. Die Halle, die Platz für bis zu 50.000 Anhänger der NSDAP bieten sollte, wurde nicht vollendet. Jetzt, fast 60 Jahre nach dem Ende des braunen Spuks, wurde hier die Ausstellung „Faszination und Gewalt“ auf einer Fläche von 1.300 Quadratmetern installiert. Die Dauerausstellung soll die zunächst unverständliche Begeisterung und Faszination begreifbar machen, die von den Parteitagen in Nürnberg ausging und die in der damaligen Zeit viel zu viele Menschen in ihren Bann zog. Die Ausstellung zeigt beispielhaft an der Stadt Nürnberg auf, wie es zum Massenphänomen der Begeisterung für die aus heutiger Sicht abstrusen und kruden Ideen der Nationalsozialisten kommen konnte. Dieser wichtige Ansatz, der dem Dokumentationszentrum Nürnberg innewohnt, ist für viele Betrachter schmerzhaft. Umso bedeutender ist diese Ausstellung für das Verständnis der gruppenpsychologischen Vorgänge, die die Grundlage für den Wahnsinn der deutschen Vergangenheit bilden. Allein dieser Aspekt macht das Dokumentationszentrum zu einem Ort, der nicht nur für die Nürnberger, sondern für alle Deutschen bedeutsam und besuchenswert ist.

Die Nürnberger haben es aber bei der Gestaltung des Zentrums nicht bei der Konservierung des Gebäudes belassen. Die nationalsozialistische Herrschaftsarchitektur wird bewusst durchbrochen. Gelungen ist dies mit einem transparenten Gang, der von dem österreichischen Architekten Günther Domening geschaffen wurde. Der Gang durchschlägt die strenge Geometrie des Torsos und bildet einen gewollten Gegensatz zu den rechten Winkeln, die das Gebäude prägen. Die Authentizität des Bauwerkes wird hierdurch nicht verletzt, denn die inneren Räume des Museums wurden in ihrem baulichen Rohzustand belassen.

Das Museum

Das Museum ist ganzjährig geöffnet. Es wurde fast vollständig barrierefrei konstruiert und kann daher auch von Rollstuhlfahrern besichtigt werden. Die Eintrittspreise liegen in einem moderaten Rahmen zwischen 1,50 Euro und 5,00 Euro. Gegen einen geringfügigen Zuschlag von 2,50 Euro kann die Eintrittskarte für das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände als Tageskarte genutzt werden. Damit stehen dem Besucher auch die anderen städtischen Museen in Nürnberg offen.

Im Eintrittspreis ist ein Audioguide enthalten. Mit diesem kann sich der Besucher selbst ein Bild von der „Faszination und Gewalt“ machen, die von dem Gelände ausgeht. Es werden aber auch pädagogisch betreute Gruppenführungen angeboten. Die Gruppen werden von erfahrenen und fachkundigen Moderatoren geleitet. Hierdurch wird die Geschichte des Nationalsozialismus und speziell der Nürnberger Parteitage altersgerecht aufbereitet. An den Wochenenden, an Samstagen und Sonntagen um 14:00 Uhr, führt der Verein „Geschichte für Alle“ Begehungen auf dem gesamten Gelände der Reichsparteitage durch.

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