Das Denkmal am Nürnberger Egidienplatz
Das Kaiser Wilhelm I.-Denkmal steht vor der Egidienkirche am Egidienplatz in Nürnberg östlich der Nürnberger Burg und ist ein überlebensgroßes Reiterstandbild des ersten deutschen Kaisers Wilhelm I.
Das Denkmal, das auf einem ansehnlichen hohen Sockel steht und damit schon von Weitem sichtbar ist, wurde am 14.11.1905 im Rahmen der „Fürstentage“ feierlich enthüllt, also rund 17 Jahre nach seinem Tod (er ist im Jahr 1888 verstorben).
Das Monument ist das einzige Reiterstandbild Wilhelms I. in Bayern, was ihm neben seiner künstlerischen Bedeutung auch einen besonderen Platz in der regionalen Denkmallandschaft verleiht.
Entstehung und künstlerische Gestaltung
1895 wurde ein offener Künstlerwettbewerb ausgeschrieben, aus dem der Entwurf des Bildhauers Syrius Eberle als Sieger hervorging. Nach Eberles Tod 1903 setzte Wilhelm von Rümann die Arbeiten am Entwurf fort.
Die Bronzeplastik wurde schließlich in der Nürnberger Kunstgießerei von Ernst Lenz ausgeführt.
Die Umsetzung wurde durch einen städtischen Kunstfonds ermöglicht und mit öffentlichen Spenden unterstützt. Eine bedeutende Zuwendung kam von Ludwig Ritter von Gerngroß, einem Kunstförderer aus Nürnberg.
Historischer Kontext und Bedeutung
Das Denkmal war zur Zeit seiner Aufstellung politisch und kulturell durchaus umstritten. Nürnberg gehörte historisch zwar nicht zu Preußen, sondern war lange freie Reichsstadt und später bayerisch. Das Denkmal wurde dennoch als Huldigung des preußischen Kaisers und Gründers des Deutschen Kaiserreichs verstanden.
In einem überwiegend evangelischen Franken wurde das Standbild als Symbol der Hinwendung zum Deutschen Reich gesehen. Damit war auch eine gewisse Distanzierung vom Königreich Bayern verbunden.
Dass es kein vergleichbares Denkmal für einen bayerischen König in Nürnberg gibt und damit das Denkmal am Nürnberger Egidienplatz von der Egidienkirche und vor dem Pellerhaus ist, unterstreicht diese besondere politische Bedeutung.
Das Denkmal überstand den Zerfall der Monarchie nach 1918/19 ohne Entfernung – anders als in manch anderer deutschen Stadt.
Im Zweiten Weltkrieg war es ursprünglich zur Einschmelzung vorgesehen, blieb aber unter ungeklärten Umständen erhalten. Es überstand auch die schweren Bombardierungen Nürnbergs und steht heute noch weitgehend im Originalzustand von 1905.
Ein besonderes Zeugnis seiner Geschichte sind sichtbare Kampfspuren. Am Leib des Pferdes lassen sich Einschusslöcher aus den Kämpfen im April 1945 erkennen. Dies sind heute noch stille und direkte Zeugnisse der Kriegsgeschehnisse an diesem Denkmal.
Lage und heutige Bedeutung
Der Egidienplatz selbst ist ein eher vom Verkehr abseits gelegener Bereich der Nürnberger Altstadt. Gerade deshalb war das Denkmal nach dem Krieg nicht von Abbruchplanungen betroffen.
Im Jahr 2010 diskutierte die Stadtverwaltung sogar Vorschläge für eine Umsetzung oder Entfernung des Monuments im Rahmen der Platzneugestaltung. Diese Vorschläge stießen jedoch auf kritische öffentliche Resonanz und wurden daher auch nicht weiter verfolgt.
Heute ist das Reiterstandbild ein historisches und stadtbildprägendes Objekt, das nicht nur als Kunstwerk, sondern auch als Zeitdokument Bedeutung besitzt.
Allgemeines zum Kaiser Wilhelm I.
Kaiser Wilhelm I. (1797–1888) war der erste Kaiser des deutschen Kaiserreichs, das 1871 nach dem Sieg Preußens über Frankreich gegründet wurde. Er regierte als König von Preußen seit 1861 und gilt als Symbol der deutschen Einigung unter preußischer Führung.
Wilhelm I. war bekannt für seine eher zurückhaltende Persönlichkeit, während Otto von Bismarck als Reichskanzler die politische Strategie und die Gründung des Kaiserreichs maßgeblich steuerte. Unter seiner Herrschaft erlebten Deutschland und Preußen eine Phase von Stabilität, Militarisierung und Modernisierung, und sein Bild wurde nach seinem Tod in zahlreichen Denkmälern, wie dem Reiterstandbild am Nürnberger Egidienplatz, verewigt.
Er wird oft als ruhender Pol gesehen, als ein Kaiser, der selbst nicht die großen Reformen initiierte, aber die historische Chance der deutschen Einheit symbolisch verkörperte.
