Nürnberger Christkindlesmarkt

Der Nürnberger Christkindlesmarkt

Alle Jahre wieder steht in Nürnberg für einige Momente die Zeit scheinbar still, denn am Freitag vor dem ersten Advent wird auf dem Hauptmarkt der weltberühmte Christkindlesmarkt eröffnet.

„Ihr Herrn und Frau´n, die Ihr einst Kinder wart …“, so beginnt der Prolog, den das Nürnberger Christkind jedes Jahr aufs Neue spricht. Seit Mitte der Sechzigerjahre wird unter jungen Nürnbergerinnen die Darstellerin gewählt, die das Christkind während der folgenden zwei Jahre verkörpern soll. Die Eröffnung des Marktes ist zugleich ihr erster öffentlicher Auftritt und der wichtigste während ihrer Amtszeit. Sie spricht den Prolog von der Frauenkirche aus, hoch oben auf der Empore stehend, und muss daher in erster Linie schwindelfrei sein.

Der Anblick des Christkinds, wie es mit rauschgoldener Perücke, goldener Krone, langem goldglänzenden Kleid, die Flügelarme weit ausgebreitet auf der Empore steht, von kleineren Engeln umrahmt, begleitet von Posaunenbläsern und Kinderchor, lässt auch die Augen der Erwachsenen glänzen. Dem Zauber kann sich niemand entziehen, Jung oder Alt, Groß oder Klein, Nürnberger oder Tourist. Schon Stunden vorher wartet die Menge auf den großen Moment, und wenn es dann endlich soweit ist, geht erst ein Raunen durch die Menge, dann wird es mucksmäuschenstill auf dem Platz, sobald das Christkind mit traditionellen Worten seinen Markt eröffnet.

Kenner des Christkindlesmarktes wissen, dass sich für einen Besuch der Eröffnungstag allerdings nicht besonders eignet. Die Nürnberger gehen am liebsten am Sonntagnachmittag auf ihren Markt, denn dann sind erfahrungsgemäß die Busse mit den Touristen schon wieder auf der Heimfahrt und der Markt gehört ihnen.

Auf die weihnachtliche Budenstadt sind sie nämlich besonders stolz, und legen daher größten Wert darauf, dass er richtig ausgesprochen wird. Wer „Christkindlmarkt“ sagt oder „Christkindchenmarkt“ wird nachsichtig höflich aber bestimmt korrigiert. Schon bei seiner ersten nachgewiesenen Erwähnung 1626 wurde er als „Kindles Marck“ bezeichnet, und als solcher fand er bis zum Ende des 19. Jahrhundert alljährlich statt. Alle Nürnberger Handwerker waren dort vertreten und verkauften ihre Ware auf dem zentralen Platz der Stadt, dort wo schon damals die Frauenkirche und der Schöne Brunnen stand.

Angesichts dieser langen Tradition kann man die nun folgenden Jahre vernachlässigen, in denen der Markt vorübergehend seine Bedeutung verlor. Um 1930 wurde damit begonnen, die Budenstadt auf dem Hauptmarkt wieder zum Leben zu erwecken, während der folgenden Kriegsjahre musste das Christkind dann wieder ohne seinen Markt auskommen. Der erste Christkindlesmarkt nach dem Zweiten Weltkrieg fand der zerstörten Altstadt zum Trotz im Jahr 1948 statt. Ob Friedrich Bröger, der Autor des Prologs, damals schon vorhersehen konnte, dass sein Text in nahezu unveränderter Fassung noch 60 Jahre später gesprochen wird? Damals war es die Schauspielerin Sofie Keeser, die fast zwanzig Jahre lang das Christkind darstellte.

Seither sind es wieder Generationen von Nürnbergern, die selbst als Kind zum Christkind geführt werden, und als Erwachsene mit ihren Kindern, und später mit den Enkelkindern den Markt besuchen.

So viel steht fest, es kann nicht Weihnachten werden, wenn man nicht wenigstens einmal in der Adventszeit die Budenstadt besucht hat. 180 Holzhäuschen säumen die Gänge, durch die der Besucher schlendert. Was dort alles zum Verkauf angeboten wird, lässt Kinderherzen höher schlagen, denn immer noch gibt es in erster Linie Spielzeug und Christbaumschmuck zu kaufen. Auf dem Podium vor der Frauenkirche spielen Posaunenchöre auf oder singen Kindergruppen. Wer Hunger bekommt, hat die Wahl zwischen „Zwei im Weckla“, womit zwei gegrillte Rostbratwürste in einem Brötchen gemeint sind, oder Früchtebrot, Lebkuchen, Makronen oder sonstige Leckereien. Wenn man seiner Nase folgt, findet man zielsicher die Glühweinbuden, wobei man sicherlich vom Duft der Lebkuchen und Bratwurstbuden abgelenkt wird. Man muss sich einfach wohl fühlen auf dem Markt, und das nicht zuletzt wegen der letzten Worte des Prologs: „… und wer da kommt, der soll willkommen sein“.

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