Autokino Nürnberg

Das damalige Autokino in Nürnberg

Nürnberger Kinofans dürften das Jahr 2002 in schlechter Erinnerung behalten haben. In diesem Jahr hatte nämlich das Autokino seine Pforten geschlossen und damit der durchaus erfolgreichen Auto-Kinogeschichte in der Frankenmetropole ein Ende gesetzt. So mancher Nürnberger denkt noch heute mit Wehmut an das Kino der besonderen Art zurück, welches am Nürnberger Marienberg Geschichte schrieb.

Die Geschichte

Die Idee der Autokinos entstand in den 1950er Jahren in den USA. Diese Autokinos nannten sich „Drive-In-Theatre“ und stießen in den ersten Jahren auf absolut großes Interesse bei der Bevölkerung. Der Boom der Autokinos zeigt sich schon alleine an der Zahl, dass es in den USA in den 1950er und 1960er Jahren um die 4.000 Autokinos gab.

Doch wie bei nahezu allen Trends, die von den USA nach Europa bzw. Deutschland kommen, dauerte es eine gewisse Zeit. Und so kamen die ersten Autokinos in Deutschland auf, als in den USA der ganz große Boom schon wieder am abflauen war. Das Autokino in Nürnberg wurde als elftes in Deutschland und als erstes in Bayern im Jahr 1969 am Marienberg eröffnet.

Am Marienberg 90 in Nürnberg wurde mit einem Etat von zwei Millionen Mark und auf einer Fläche von 60.000 Quadratmetern ein Autokino errichtet, welches großen Anklang bei der Bevölkerung fand. Insgesamt wurden 14 Auto-Stellreihen angelegt, die im Schnitt 80 Autos unterbrachten. So konnten insgesamt 1.111 Autos platziert werden, von denen man auf die 36 mal 15 Meter große Leinwand blicken konnte. Die Stellplätze waren mit Säulen ausgestattet, an denen sowohl die Lautsprecher als auch Heizgeräte für die kühleren Stunden angebracht waren. Die Lautsprecher und die Heizgeräte konnten in das Auto gehängt werden. Auch der Service wurde bestens organisiert. Gar mancher erinnert sich sicherlich noch an den Spruch, der an den Säulen angebracht war: „Wenn die grüne Lampe brennt, ein junger Mann vom Service rennt“. Und so wurde alles, was heute bei einem Kinobesuch konsumiert wird, direkt ins Auto geliefert.

Der erste Film, der im Nürnberger Autokino am 07.05.1969 vorgeführt wurde, war „Lady in Zement“, ein Thriller.

Das Autokino wurde im Auftrag der Decla-Autokino-GmbH, Düsseldorf von einem Nürnberger Architekten – Herrn Georg Gerhard – geplant. Die Betreibergesellschaft war die Jann-Werbe- und Filbetriebs-GmbH.

Der Erfolg

Von Anfang an hatten zahlreiche Skeptiker Zweifel an dem Erfolg des Nürnberger Autokinos gehabt und äußerten diese auch laut. Sicherlich konnte mit dem Erfolg seinerzeit nicht unbedingt gerechnet werden, hatte man damals nach Amerika geschaut, wo das Interesse an den Autokinos wieder stark zurückgegangen war. Warum sollte also das Autokino in Nürnberg Erfolg haben? Doch die Kinobesucher überzeugten durch ihr zahlreiches Kommen die Skeptiker und ließen diese bald verstummen. Schon im ersten Betriebsjahr des Autokinos konnte die Betreibergesellschaft die investierten Kosten wieder voll einnehmen. 1,5 Millionen Besucher konnte bereits in den ersten fünf Jahren gezählt werden. Der Erfolg war ungebrochen und die Besucherzahlen blieben konstant. Im Jahr 1998 konnten noch jährlich 50.000 Kinobesucher gezählt werden.

Das Ende des Autokinos in Nürnberg kam eigentlich überraschend im Jahr 2002. Niemand hatte mit dem doch schnellen Ende gerechnet, da auch nur wenige Jahre zuvor die Betreibergesellschaft einen neuen 7.000 Watt-Filmprojektor gekauft und in eine neue Technik investiert hatte. So wurde eine Funktechnik installiert, die den Filmton in Stereo ermöglichte. Auch das Restaurant, welches sich am Kinogelände befunden hatte, wurde renoviert. Doch der Verpächter des Geländes, die Tucher´sche Stiftung, verlängerte den Pachtvertrag nicht, was im Jahr 2002 das Ende für das durchaus erfolgreiche Autokino bedeutete. Als letzter Film wurde aus der Herr der Ringe-Trilogie der Film „Die zwei Türme“ vorgeführt. Für die Besucher der letzten Vorstellung wird diese sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben, die sich mit Silvesterraketen und einem Hubkonzert verabschiedeten.

Heute befindet sich auf dem Gelände des – ehemaligen – Autokinos das Volkswagenzentrum Nürnberg - Marienberg.

Autor: Daniela Plankl

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