Unschlitthaus

Das Unschlitthaus in Nürnberg

In der Nürnberger Altstadt befindet sich mit dem Unschlitthaus ein historisches Gebäude, welches eine Sehenswürdigkeit darstellt. Beim Unschlitthaus handelt es sich um ein reichsstädtisches Gebäude aus dem Mittelalter. Das Unschlitthaus ist eine Station der Historischen Meile Nürnberg, im Rahmen derer die Besucher bzw. Touristen der Frankenmetropole alle bedeutenden Sehenswürdigkeiten der Nürnberger Altstadt selbstständig, also ohne Fremdenführer, erreichen können.

Das Unschlitthaus befindet sich an der Ostseite des gleichnamigen Platzes, des Unschlittplatzes in der Lorenzer Altstadt. Wer das Unschlitthaus erreichen möchte, der findet dieses zwischen der Maxbrücke bzw. dem Henkersteg und der Karl-Grillenberger-Straße südlich der Pegnitz. Wenn man vom Trödelmarkt kommend über den Henkersteg läuft, befindet sich direkt am „Ausgang“ des Henkerstegs linkerhand das Unschlitthaus.

Bei dem Bau handelt es sich um ein eindrucksvolles, aus einer massiven Sandsteinkonstruktion erbautes Gebäude. Der Treppengiebel, der mehr als die Hälfte der Gebäudehöhe einnimmt, beherrscht das Aussehen des Unschlitthauses. Der viergeschossige Dachstuhl hat insgesamt 76 Dachluken, welche einst für die Belüftung der Kornböden sorgten. Besondere Beachtung sollte auch das gotische Portal, welches aufwändig gestaltet wurde, erhalten. Aus bautechnischer Sicht ist auch die Lage des Unschlitthauses äußerst interessant. Das Gebäude wurde nämlich in den alten Stadtgraben hineingesetzt, wobei die östliche Grabenmauer im Rahmen der Konstruktion mit einbezogen wurde.

An der Westseite des Unschlitthauses befindet sich ein Wandbrunnen. Der Brunnen wurde damals im Jahr 1874 von dem Gebäude entfernt und im Jahr 1974 wieder angebracht. Der Brunnen verfügt über eine bronzenen Gesichtsmaske des Hieserlein. Was konkret der „Hieserlein“ ist, kann nicht genau beantwortet werden. Dies könnte sich auf den Begriff „Hiserlein“ für das Wasserrieseln beziehen. Aber auch die Abkürzung „Hiesel“ für den männlichen Vornamen „Matthias“ ist eine denkbare Alternative, was der Hieserlein sein kann.

Der Name „Unschlitt“

Sicherlich ist das Wort „Unschlitt“ heute kein Wort, welches die Bürger in ihrem aktiven Sprachgebrauch haben. Das Wort kommt aus dem Althochdeutschen „unsliht“, was „Talg“ bzw. „Fett“ bedeutet. Mit Unschlitt wird also der Teil beschrieben, der vom Geschlachteten nicht zum Essen verwendet werden kann. Das tierische Fett bzw. der tierische Talg war damals ein wertvoller Rohstoff. Bis in das 19. Jahrhundert hinein wurde der Unschlitt zum Beispiel für die Wagenschmiere oder die Herstellung von Talgkerzen verwendet. Die Metzger hatten daher im Mittelalter die Pflicht, diesen Unschlitt – das Abfallfett – beim städtischen Unschlittamt zu verkaufen.

Die Geschichte des Unschlitthauses

Das Unschlitthaus hatte in den Jahren 1490/1491 Hans Beheim der Älteren errichten lassen. Es gehörte mit sechs weiteren Häusern zu den sieben „Kornkästen“ der Stadt Nürnberg. Damit diente es der damaligen Reichsstadt als Kornspeicher. Den Namen „Unschlitthaus“ erhielt das Gebäude allerdings erst 1562, als im Erdgeschoss das Unschlittamt untergebracht wurde. Das Unschlittamt war bis zum Jahr 1835 in dem Gebäude untergebracht. Beim Unschlittamt handelte es sich um eine städtische Monopolbehörde.

In der Zeit von 1839 bis 1899 waren in dem Unschlitthaus eine Schule und das Eichamt untergebracht. Ab dem Jahr 1899 beherbergte das Gebäude das städtische Leihamt.

Die unmittelbare Nähe zur Pegnitz hatte den Vorteil, dass in den Fluss sämtliche Überreste geleitet werden konnten. So wurde die Pegnitz damals als Abwasserkanal verwendet. Daher bot sich die Lage für die Herstellung und Verarbeitung des Unschlitts in dem der Pegnitz angrenzendem Unschlitthaus an. Dadurch, dass damals die Pegnitz als Abwasserkanal regelrecht missbraucht wurde, hatte dies logische Konsequenz, dass der verunreinigte Fluss die beste Grundlage für Epidemien bot. Pestepidemien brachen in Nürnberg aus, die die Nürnberger Patrizier in das Nürnberger Umland trieb, in dem sie in Schlössern und Herrensitzen Schutz fanden.

Während des Zweiten Weltkriegs blieb das Unschlitthaus – wie so ziemlich die gesamte Nürnberger Altstadt – nicht unverschont. Allerdings wurde das Gebäude nicht vollständig zerstört. Am 02.01.1945 wurde lediglich der nördliche Teil des Hauses zerstört, während der südliche Teil mit dem imposanten Dachstuhl verschont wurde.

Heute wird das Unschlitthaus als Leihhaus und als städtisches Amtsgebäude (Amt für Statistik und Stadtforschung und Wahlamt) verwendet.

Dach des Unschlitthauses beschädigt

Das Dach mit einer Fläche von 2.300 Quadratmetern und 76 Gauben hatte bereits im Jahr 2008 Beschädigungen gezeigt. Insgesamt gab das Dach bis zum Jahr 2014 um sechs Zentimeter nach, was eine umfangreiche Dachsanierung erforderlich macht. Die Sanierungsarbeiten werden bis Mitte 2016 andauern und insgesamt 3,85 Millionen Euro kosten.

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